Die Argumente

Initiative für eine gesunde Ernährung - die Argumente

Ernährung als soziale Frage

Die Ernährung ist wieder ein wichtiges Thema, für die Menschen ebenso wie für die Behörden. Es geht um Fragen wie Selbstversorgung mit Lebensmitteln, Rohstoffspekulation (Getreide, Zucker, Kaffee etc.) und um den Erhalt der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen mit raumplanerischen Mitteln. Aber auch das Fortschreiten der intensiven Landwirtschaft, etwa mit Einsatz von Pestiziden und der damit einhergehenden Gefährdung der Wasserqualität, rückt immer mehr ins Zentrum.

Ernährung ist ausserdem eine Frage der öffentlichen Gesundheit. Es geht um die Kontrolle der industriellen Lebensmittelversorgung, um die Bekämpfung der Unterernährung in verschiedenen Gegenden der Erde, während anderswo Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Diabetes epidemienhaft zunehmen.

Die Verantwortung der öffentlichen Hand

Bereits in jungen Jahren können wir lernen, uns ausgewogen und vielfältig zu ernähren. In der Schweiz haben mehrere Städte beschlossen, eine aktive Ernährungspolitik in den lokalen öffentlichen Einrichtungen zu betreiben. So sorgen beispielsweise Genf und Lausanne dafür, dass in ihren Krippen und ausserschulischen Betreuungsstrukturen vor Ort zubereitete Mahlzeiten aus Produkten serviert werden, welche die Bio-Bäuerinnen und –Bauern aus der Region liefern. Einige Städte haben ausserdem beschlossen, Fleischprodukte vermehrt durch andere Eiweissquellen zu ersetzen. Zu guter Letzt werden dabei auch alte Sorten wiederentdeckt. Dies alles begleitet von einer Ernährungsbildung sowohl für das Personal als auch für die Kinder.

Auch in Biel steht die Ernährung in ausserfamiliären und ausserschulischen Einrichtungen zur Debatte. Die Förderung einer ausgewogenen Ernährung mit Produkten aus der Region, zubereitet vor Ort sowie die Sensibilisierung der Kinder und des Personals für eine gesunde Ernährung muss ein wichtiges Anliegen der politischen Verantwortlichen sein.

In Biel wird zwar ein Teil der Mahlzeiten vor Ort frisch zubereitet. Aber noch lange nicht alle. Pro Jahr werden aus dem Baselland über 60'000 Mahlzeiten angeliefert! Die Lieferung erfolgt zwei Mal pro Woche, die Mahlzeiten sind kalt und in Plastik verpackt. Bevor sie den Kindern in den ausserschulischen Betreuungsstrukturen serviert werden können, müssen sie im Steamer aufgewärmt werden. Anders gesagt: Fast Food in der Tagesschule.

Schluss mit der industriellen Ernährung

Jede angelieferte Mahlzeit kostet Fr. 4.99. Die Stadt zahlt für die Mahlzeiten, die von etwa 250 Kindern gegessen werden, insgesamt rund Fr. 300'000.- an das Unternehmen, das die Mahlzeiten liefert. Da das Angebot seither ausgeweitet wurde, sind diese Zahlen gestiegen. Dazu kommt, dass die Zubereitung an ein Sub-Unternehmen delegiert wurde, dass lediglich noch die Menus zusammenstellt. Dies mit Einverständnis der Stadt Biel.

Es ist klar, dass diese Art und Weise nicht den Erwartungen der Eltern an die Qualität der Mahlzeiten entspricht. Die schnelle Zunahme der Nachfrage in den ausserschulischen Betreuungsstrukturen, vor allem am Mittag, hatte die Behörden gezwungen, rasch eine Lösung zu finden. Diese hätte provisorisch und vorübergehend sein sollen. Doch sie ist zum Dauerzustand geworden. Der Liefervertrag wurde bis 2015 verlängert und droht, definitiv zu werden.

Das Personal der ausserschulischen Betreuungsstrukturen bemüht sich sehr darum, den Kindern attraktive und ausgewogene Mahlzeiten zu servieren, indem es mit den gelieferten Fertigprodukten und den frischen Lebensmitteln, die sie lokal bestellen, jonglieren. Das ist eine zusätzliche Arbeitsbelastung. Das Personal muss ausserdem diese Mahlzeiten auch essen und selber bezahlen.
Schliesslich würde eine enge Zusammenarbeit zwischen jenen, die kochen und jenen, die die Mahlzeiten servieren, eine echte Ernährungspolitik erlauben und den Austausch von Wissen und Erfahrung ermöglichen.

Nachhaltige Entwicklung

Auch aus ökologischer Sicht ist diese Art und Weise der Mahlzeitenzubereitung absurd. Dazu kommen die Kosten für den Transport von Baselland nach Biel, die Intransparenz sowohl bei den Rohstoffen als auch hinsichtlich des Sub-Unternehmers, mögliche gesundheitliche Folgen von in Plastik aufbewahrten Lebensmitteln, die Frage von Konservierungsmitteln und weiteren Zusatzstoffen. Kurz: alle Fragen und Probleme, die sich bei der industriellen Ernährung stellen.

Es ist daher wichtig jetzt zu handeln, damit Kinder wie ältere Menschen in öffentlichen Einrichtungen in den Genuss einer ausgewogenen Ernährung mit möglichst lokal produzierten Lebensmitteln kommen, die vor Ort frisch verarbeitet werden und deren Herkunft rückverfolgbar und transparent ist.
Eine solche Politik hat Vorteile, die noch weiter gehen: Der Zusammenhalt zwischen der Stadt Biel und lokalen Landwirtschaft wird gestärkt; die Produzentinnen und Produzenten profitieren von sicheren und gerechte Preisen. Die Frische der Lebensmittel ist gewährleistet und saisonale Vielfalt und die Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel werden verbessert. Und nicht zuletzt werden das Personal und die Nutzerinnen und Nutzer der öffentlichen Einrichtungen für Ernährungsfragen sensibilisiert.